Guten Tag, allerseits! Nun habe ich mich lange nicht gemeldet; einfach, weil ich die Zahl der Foren, in denen ich mich tummele, begrenzen will. Rüdigers Beiträge hatte ich aus vermeintlich rechtlichen Gründen löschen lassen. War aber eigentlich kein Problem, wie sich hinterher rausgestellt hat. Rüdiger geht zeitgleich mit mir in den Ruhestand. Der hat jetzt ein Büchlein mit seinen schönsten Glossen rausgebracht. Am vergnüglichsten war vor zwei Wochen natürlich die Lesung in einer kleinen Buchhandlung. Der Mann hat wirklich Talent für sowas. Im Alltag war er übrigens "normaler" Lokalredakteur. Nun möchte ich Euch noch seine letzte Glosse und den Titel seines Büchleins (9,90 €) zum Besten geben. Die Werbung, die ich damit mache, bringt im nicht wirklich etwas, weil er erst ab Exemplar 3001 dran verdient; aber vielleicht mag es ja jemand kaufen. Hier also erst die Glosse (eine kommt vielleicht in dieser Woche noch) und unten dann die Daten:
Ruhe vor der Rente Nun gehört ja zu den Mysterien im Leben des Menschen, dass er, wenn er sich im Alter endlich rüstig zur Ruhe setzt, vor lauter Beschäftigung keine Zeit mehr hat. Ich habe diese Tatsache des stets atemlosen Rentners immer belächelt. Aber nun, am Vorabend meines Rentendaseins, schwant mir Arges. Vielleicht liegt es am wachsenden Bewusstsein, dass die Zeit für den Menschen hienieden endlich ist. Und er noch schnell alles erledigen will, was er verabsäumt und vor sich her geschoben hat. Bis zur Rente. Und mit Besorgnis schaue ich auf meine Pläne: mehr Zeit für Familienaktionen; Sammelsurium alter Schrauben im Keller sortieren; Arbeitszimmer und Computer aufräumen; Wildgarten gegen Ordnungsliebe der Familie verteidigen; ehrenamtliche Arbeit (für „Asphalt“, die Grünen und die Kapelle in Devese); Poesie-Abende zu Kunstausstellungen; Spanisch auffrischen, Italienisch lernen; Lesungen zu meinem Glossen-Büchlein (Montag, 15. Juni, 18.30 Uhr, Hemminger Buchhandlung; Dienstag, 16. Juni, 19 Uhr, Buch Handels-Kontor Arnum; Sonnabend, 20. Juni, 15 Uhr, Badenstedter Buchhandlung). Zum Glück hat mir meine Familie zum Rentendasein eine Ruhebank vors Haus gestellt. Die mich an Abende in der Kindheit erinnert, an denen ich neben dem Opa sitzen durfte, wenn er stumm „säinem Pfäifchen schmouchte“. Der fleißige, noch im hohen Alter rührige Malermeister sagte eines Abends in die Stille hinein: „Nu märk dir man äinem, Mannchen: dem Mänschen soll sich ouch immer äinem Quäntchen Zäit nehmen für die Zäit.“
Nun ist der Mensch ja ein Mensch ISBN-10: 3940308285 ISBN-13: 978-3940308283 Kurzbeschreibung Die Wespe auf dem Kuchen, das Geburtstagsgeschenk für die Frau oder einfach ein Stück Draht: Es sind die kleinen Dinge, die Rüdiger Knorr in seinen Glossen beschäftigen. Er entdeckt das Tiefgründige im Alltäglichen, ohne dabei die Bodenhaftung zu verlieren. Und dafür lieben ihn die Leser. Seine Glossen über den ostpreußischen Großvater oder den turbulenten Familienurlaub auf Baltrum haben seit Jahren eine große Fangemeinde. Rüdiger Knorr, 1944 in Ostpreußen geboren, arbeitet seit mehr als 40 Jahren als Redakteur erst für die „Hannoversche Presse“, später für die „Neue Presse“ in Hannover. Er ist verheiratet und Vater von fünf Kindern.
Die heutige Glosse: Gute Besserung! von Rüdiger Knorr Nun sucht der Mensch sich ja gerne einen schönen Trost, wenn nicht alles nach seinen Wünschen geht. Zum Beispiel gestern, laut Kalender der diesjährige Sommeranfang. An dem ich bei prima Sonnenschein unser Häuschen in Devese verlassen habe, um fünf Minuten später völlig durchgeregnet an der Bushaltestelle anzukommen. Ich habe diesen April-Zustand dennoch mit einer gewissen Gelassenheit erlitten. Und mich an einen Ratschlag erinnert, den mir einst mein geliebter ostpreußischer Opa auf den Wetterweg des Lebens mitgegeben hat: „Äinem schlächten Wätter, Jungchen, ist äinem guten Zäichen: Ihm kann sich jehöörich bässerrn.“ Und so wollen wir es nehmen: Ein miesepetriger Sommeranfang birgt etwas Gutes in sich. Es wäre doch viel schlimmer, wenn uns gestern auf Anhieb ein Traum-Sommertag ereilt hätte. Und es ab heute immer schlechter würde, womöglich bis in die Sommerferien hinein. In unserer Familie jedenfalls haben wir uns gerne über jeden Regentag gefreut, der vor dem Ferienstart lag. „Der ist erst mal weg“, haben wir zufrieden festgestellt: „Der kann uns im Urlaub nicht mehr ärgern.“ In diesem Sinne, lieber Sommer: Gute Besserung!
Vorab: Rüdiger ist, wie ich jetzt auch, Ruheständler, schreibt aber von Zeit zu Zeit noch eine Glosse in der Neuen Presse Hannover. Hier eine aus unserer gemeinsamen Schulzeit. Ergänzung von mir: Jener "Oberlehrer" hiess Dr. Strauer Wenn wir in Reih' und Glied zum Physiksaal gingen, gingen wir oft absichtlich im Gleichschritt. Dr. Strauer (im weissen Kittel) sagte dann: "Jungs...Nicht im Gleichschritt gehen; davon kann die Decke in Schwingungen geraten und einstürzen."
Lernen für das Leben Nun zweifeln junge Menschen, wenn sie wieder zur Schule dürfen müssen, ja oftmals am Sinn mancher Lerninhalte. Wozu man das denn alles brauchen könnte, was einem eingetrichtert wird. Wozu soll sich der Mensch mit den Regeln der optischen Lichtbrechung beschäftigen, wenn er zum Beispiel den Beruf eines Pop-Stars, Informatikers, Redakteurs oder Fußball-Profis anstrebt? Ich stamme noch aus der Schulzeit-Generation, der ältere Oberlehrer mit erhobenem Zeigefinger den Satz „Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir!“ vorgebetet haben. Bevor sie uns im abgedunkelten Raum die Regeln der optischen Lichtbrechung an die Wand warfen. Was wir dazu nutzten, aus unseren Streichholzschachteln die gesammelten Maikäfer in die schulische Freiheit zu entlassen. Aber was die optische Lichtbrechung betrifft, muss ich Abbitte leisten. Weil mich plötzlich am hölzernen Strandweg unserer Ferieninsel Baltrum drei bäuchlings langgestreckte Jugendliche mit der Frage „Warum ist der Himmel blau?“ angeblinzelt und gebremst haben. Testspiel mit Passanten gegen die Langeweile. Da habe ich dankbar an meinen Oberlehrer gedacht und einen kleinen Vortrag gehalten über die Regeln der Lichtbrechung, den Eintritt des Sonnenlichts in die Atmosphäre, über Prisma-Farben, den Regenbogen und den Zauber eines rot glühenden Sonnenuntergangs. Die Jugendlichen waren sichtlich verblüfft: „Und woher wissen Sie das alles?“ „Schule“, habe ich gesagt, „vor 50 Jahren.“ Und grinsend hinzugefügt: „Habe ich damals fürs Leben gelernt. Für den heutigen Tag.“ 10.08.2009 / NP Seite 11
Ein junger Mann, der in einem Supermarkt einkaufte, bemerkte eine kleine, alte Dame, die ihm überall hin folgte. Wenn er anhielt, hielt sie an. Außerdem starrte sie ihn dauernd an. Schließlich überholte sie ihn an der Kasse, drehte sich zu ihm um und sagte: "Ich hoffe, ich habe Sie nicht beunruhigt ... es ist nur so, dass Sie so sehr wie mein verstorbener Sohn aussehen." Er antwortete: "Das ist schon in Ordnung." "Ich weiß, dass es dumm von mir ist, aber wenn Sie mir zurufen würden: "Tschüss, Mutti", wenn ich den Laden verlasse, dann würde mich das so glücklich machen." Sie ging also weiter, und als sie den Laden verließ, rief der Mann ihr zu: "Tschüss, Mutti". Die kleine, alte Dame winkte ihm zu und lächelte ihn an. Er freute sich, dass er ein wenig Sonnenschein in ihr Leben gebracht hatte und ging daran, seine Lebensmittel zu bezahlen. "Das macht 121,85 Euro, sagte die Verkäuferin an der Kasse. "Warum so viel? ... Ich habe doch nur 5 Artikel eingekauft ... ?" Die Kassiererin antwortete: "Ja, aber Ihre Mutter sagte, Sie würden ihren Einkauf mit bezahlen."